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    Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine in den deutschen Medien: Kritik des Maßstabs „ausgewogene Bewertung“ in Inhaltsanalysen
    (Springer, 2024) Neuberger, Christoph; Hohlfeld, Ralf
    Inhaltsanalysen über die Darstellung von Konflikten in den Medien werden häufig durchgeführt, um den Vorwurf der Einseitigkeit empirisch zu überprüfen. Dies wirft die normative Frage auf, wie die Forderung nach einer ausgewogenen Bewertung, d. h. einer Gleichverteilung positiver und negativer Bewertungen zwischen Kontrahenten, als Qualitätsmaßstab rechtfertigt werden kann und wie dies fallbezogen, d. h. kontextabhängig geschehen muss. Diese Frage wird am Beispiel von Inhaltsanalysen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine diskutiert. In einer qualitativen Metastudie von 22 Inhaltsanalysen wurden zunächst induktiv acht Annahmen zur Rechtfertigung der Anwendung des Maßstabs für diesen Fall ermittelt. Vier davon beziehen sich auf das Verhältnis der Medien zu ihrer Umwelt: zur journalistischen Profession, der Medien untereinander sowie zum Publikum und zur Politik. Vier weitere Begründungen sind vom Verhältnis der Medien zum Krieg als Thema abgeleitet: zum normativ „richtigen“ und „falschen“ Handeln der Kontrahenten, zur Antizipation negativer Folgen, zum Framing des Kriegs als Machtkonflikt (statt als Konflikt um Werte) und aus der Position des Werterelativismus. Die Forderung nach einer ausgewogenen Bewertung war in den Studien häufig mit der Kritik an einer angeblich zu negativen Sicht der russischen Seite verknüpft. Die Diskussion der Fundstellen zeigt, dass die Argumente zur Rechtfertigung einer ausgewogenen Bewertung für den vorliegenden Fall nur begrenzt oder gar nicht tauglich sind. Damit kann die Studie zeigen, dass das Problem der „False Balance“ nicht nur im Bereich des Wissens, sondern auch des Wertens zu finden ist. Außerdem ist „False Balance“ damit nicht nur ein Phänomen im Journalismus, sondern auch in der Wissenschaft.
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    Journalismus und Journalismusforschung: Nein, das Ende ist nicht nahe – Eine Antwort auf Hektor Haarkötter
    (Springer, 2024) Neuberger, Christoph
    Hektor Haarkötters Text ist ein Abgesang auf den Online-Journalismus – und obendrein auf die Forschung, die ihm gewidmet ist. Sein pointiertes Urteil: Bevor die Geschichte des Online-Journalismus erzählt worden ist, ist er schon wieder Geschichte. Dass der Journalismus in der Krise steckt, ist keine Neuigkeit, sondern wird seit mehr als zwei Jahrzehnten unentwegt diskutiert und erforscht. Hektor Haarkötter formuliert das, woran in der Tendenz wohl niemand zweifelt, mit besonderer Drastik. Den Text durchzieht eine Todesmetaphorik („Siechtum und Tod“, „Friedhof“, „Finsternis“, „Sargnägel“, „Todeskampf“, „RIP“; Büscher 1996). Während andere nach Auswegen aus der Krise suchen, ist für ihn das Ende des Online-Journalismus besiegelt. Gegen diese Eindeutigkeit und Unausweichlichkeit möchte ich hier argumentieren, weil sie weder dem Forschungsstand entspricht, noch die Lage völlig aussichtlos ist. Ich verstehe Haarkötters Text als provokanten Appell an Kommunikationswissenschaft und Journalismus, sich die Lage schonungslos zu vergegenwärtigen, denn es steht in der Tat viel auf dem Spiel: die Zukunft der liberalen Demokratie (Neuberger 2022a), ebenso die Wissenschaftsfreiheit.